...in der psychotherapeutischen Praxis
Ansgar Hantke
Als Ärztlicher Psychotherapeut und Facharzt für Allgemeinmedizin biete ich Ihnen eine vorwiegend tiefenpsychologisch-fundierte psychotherapeutische Behandlung an und bin zusätzlich Ansprechpartner bei allen Gesundheitsfragen der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung sowie in Krisensituationen.
Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann,
was er will, sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will
(Jean-Jaques Rousseau)
Rousseau hat schon geahnt, dass es keine absolute Freiheit im Denken, Fühlen und Handeln gibt. Der Mensch ist also nicht frei. Die einzige Freiheit dürfte in seiner Entscheidungsmöglichkeit zu finden sein, "Nein" zu dem zu sagen, was an Impulsen und Ideen ins Bewusstsein dringen
Liebe Klienten, Patienten und Leser dieser website!
Der Mensch und die Welt seiner Vorstellungen sind bipolar gestrickt. Bipolarität zeichnet sich durch Gegensätzlichkeiten aus, woraus Spannungsfelder resultieren. In diesen Spannungsfeldern zwischen zwei Polen, Innen und Außen, Nähe und Distanz, Abhängigkeit und Autonomie, Individualität und Gemeinschaft uvm. muss sein Organismus (wie auch der des Tieres, der Pflanze, des Bakteriums usw.) zu jedem Zeitpunkt, Moment oder Augenblick seines Daseins, die Fähigkeit beherrschen, zig verschiedene Zustände, ob physisch, seelisch oder mental, zu vermitteln, zu regulieren, um so etwas wie Leben möglich zu machen. Spannungslosigkeit im Sinne des Aufgebens der Bipolarität führt in diesem Zusammenhang zur Stase und schließlich zum Tod. Daraus resultierend ist es nicht nur essentiell, sondern existentiell, dass jeder Organismus auf Gedeih und Verderb für Spannung sorgen muss. Darüber müssen sich alle Lebewesen dieser Welt aber Gott sei Dank keine Gedanken machen, denn diese Prozesse, die für Spannung sorgen, hat der Schöpfer dieser Welt bereits in jedem Organismus als Automatismus mitgeliefert, quasi „vorinstalliert“. Natürlich versteckt sich eine Absicht hinter dem „vorinstalliert“. Nur „vorinstalliert“, weil das Menschenkind, wenn es das Licht der Welt erblickt hat, bestimmte Reaktionsmuster der Umgebung benötigt, um die Installation auch auszuführen. So wissen wir, dass der Säugling nicht nur Nahrung braucht, sondern (vor allem) auch menschliche Nähe, Zuwendung und Halt. Fehlt das Reaktionsmuster stirbt der Säugling (s. Friedrich II, Kaspar-Hauser-Versuch). Neurowissenschaftlich bilden sogenannte Affektkerne das organische Korrelat für die Vorinstallation. Es ist immer wieder beeindruckend, wie sich diese dem aufmerksamen Betrachter zeigen: ohne Anlass wie aus dem Nichts heraus zeigt der Säugling Freude oder andere Affekte. Wenn dann eine Fürsorgeperson anwesend ist und darauf reagiert, beginnt die Installation! Denn nun erkennt das Gehirn des Säuglings das komplementäre (dazu passende) Reaktionsmuster und beginnt prompt mit der Interaktion. Das Gehirn des Menschen (wahrscheinlich auch der Säugetiere) bezeichnet die Analytische Kinderpsychotherapeutin Eva Rass eine soziale Konstruktion, die auf Bindung und den damit verbundenen mannigfaltigen Variationen basiert und sich entwickelt (bei Geburt 400g, nach 12 Monaten 1000g). Da Bindung sich zwischen Individuen konstituiert, resultiert auch hier immer Spannung. Dabei kann der Säugling seine Spannungszustände noch nicht ausreichend selbst regulieren, er bedarf der Hilfe einer Fürsorgeperson. Die Fürsorgeperson ihrerseits muss neben dieser Unterstützung des Säuglings auch eigene Spannungszustände regulieren, was manchen Erwachsenen in eine Überforderungssituation bringt. Meist fehlt dann der Fürsorgeperson selbst das Werkzeug, sich zu regulieren. Doch was meint eigentlich Regulieren? Und welches Werkzeug benötigt ein Mensch dafür? Sie kennen alle den Ausspruch: es wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird. Übersetzt: mach dir keine Sorgen, es wird nicht so schlimm! Eltern haben die Aufgabe, Kindern mit ihren meist angst beladenen Sorgen und Nöten angemessen zu begegnen. Ein Kind, noch weniger ein Säugling, kann die Äußerungen seines Organismus, die es erlebt noch nicht wirklich einschätzen. Notfall oder Bagatelle? 112, 116117, Hausarzt/Kinderarzt, eigener Arzneischrank oder Mamas/Papas Nähe und/oder Worte? Der fürsorgende Erwachsene hat nur einen Plan, nicht das Kind. Darum weiß die Gesellschaft, weswegen der Erwachsene Verantwortung trägt und nie (!) das Kind. Er weiß darum, die Lage, die Situation einzuschätzen. Er hat in seinem eigenen Leben Erfahrungen gesammelt, was ihn darin bestärkt, Einschätzungen zu formulieren. So kann er auf adäquate Weise die Frage, die im Raum steht, die Frage, die der Organismus des Kindes(Säuglings stellt, zu beantworten. Diese Antwort und die dann folgende Interaktion führt zur Regulierung des Kindes/Säuglings:
Regulierung stellt also den Versuch da, mit Hilfe eines Werkzeugs (z.B. Trost, Halt, Beruhigung) unangenehme spannungsvolle Zustände (z.B. Angst, Wut, Trauer) auf ein weniger unangenehmes Niveau zu senken oder umgekehrt, unangenehme spannungsarme Zustände (z.B. Langeweile, Leere) durch ein Werkzeug (z.B. Interesse, Neugier, Wertschätzung) auf ein spannungsvolleres Niveau zu steigern.
E-Mail:
Tel.: 05374/6023167
Im Notfall: 112
Außerhalb der Sprechzeiten: 116117
